Warum Fortnite?

Fortnite ist momentan ein großes Thema, wenn es um Online-Spiele geht. Dabei findet gerade bei Erwachsenen schnell eine Reduktion auf „Ballerspiel“ statt, die dieses Spiel zumindest in meinen Augen unnötig abwertet. Was hingegen definitiv bemerkenswert ist, ist mit welcher Motivation Jugendliche an dieses Spiel rangehen. Das ist natürlich kein Zufall, denn bei den großen Online-Spiel-Herstellern arbeiten die besten Soziologen, Psychologen, Marketing-Fachleute u.ä. mit dem Ziel, die Spieler möglichst lange zu binden. Mein Gedanke ist es, immer von den Besten zu lernen. Daher überlege ich grundsätzlich, wie sich solche Spielprinzipien auf den Bereich Bildung übertragen lassen. Und hier gibt es durchaus Ähnlichkeiten zwischen guten Online-Spielen und der Schule im 21. Jahrhundert.

Vergleich mit Anforderungen an Bildung

Bildung findet lebenslang statt. Das war schon immer so, mit dem Unterschied, dass es durch die Digitalisierung notwendiger denn je geworden ist. Das heißt im Umkehrschluß, dass Bildung für jeden lebenslang zugänglich sein sollte.Fortnite bietet genau das: Mit einer Internetverbindung ist es rund um die Uhr, von allen möglichen technischen Geräten, völlig kostenlos erreichbar. Zudem gibt es tausende Lernvideos auf YouTube, die von den Spielern selbst erstellt werden und den genauen Umgang mit der „Lernplattform“ erklären. Wenn es so eine Plattform im Bereich der Bildung gibt, sagen Sie mir doch einfach Bescheid…

Vergleich mit zeitgemäßer Bildung

Früher wurde so gut wie alles im Frontalunterricht vermittelt. Diese Zeiten sind längst vorbei und es finden im Unterricht neben Einzelarbeit auch Partner- und Gruppenarbeit statt. Auch dies ist in Fortnite problemlos möglich. Mit einem kleinen Unterschied: Der Spieler kann selbst wählen, wie der den „Battle“ gestalten will. Er kann als selbst bestimmen, wie er die selbst gewählte Herausforderung lösen will.

Die Herausforderung hingegen, als Letzter zu überleben, hat einen vermeintlichen Nachteil: Bei 100 Gegnern verliert man durchschnittlich 99 mal, um einmal zu gewinnen! Und dann auch nur, wenn man wirklich gut ist und ein bißchen Glück hat. Trotzdem wird das Spiel ständig gespielt, obwohl man eigentlich zum Scheitern verurteilt ist. Aber Scheitern ist in diesem Spiel kein Problem. Man kann es immer und immer wieder versuchen, wird dabei immer besser, lernt aus seinen Fehlern und wenn man gewinnt, ist es natürlich umso mehr wert! Es herrscht hier also eine Fehlerkultur, die man sich an Schulen wünschen würde.

Der Weg zum Ziel ist dabei nicht festgeschrieben. Jeder Spieler hat einen indivuellen Lösungsweg, verschiedene Werkzeuge und Strategien, die er beliebig einsetzen kann. Auch hier können natürlich Irrwege durchlaufen werden. Durch das direkte Feedback merkt man hier natürlich auch schnell, wenn etwas nicht klappt.

Das Ausprobieren verschiedener Lösungswege führt dabei unter anderem zu Serendipity. Wichtiger aber noch: Es ist auch dringend notwendig! Denn nicht nur die Teilnehmer wechseln ständig, sondern die Insel ist in einem stetigen Wandel, passt sich Jahreszeiten, Events und den Bedürfnissen der Spieler ständig an. So ist nun in etwa 2 Jahren mittlerweile die 8. Staffel entstanden. In jeder Staffel hat sich die Insel dabei immer wieder verändert (getragen durch ihr StoryTelling) und angepasst. Sie agiert also unglaublich agil.

4K

Auch die 4K finden natürlich Anwendung in Fortnite. Die Kreativität wird z.B. beim Tanzen angeregt. Dass die Entwickler sogar eigene Tänze der Spieler ins Spiel integrieren wollen, sorgt nicht nur bei Mädchen, sondern auch bei Jungs zu neuen Tanzstilen. Um die beste Route zu verwenden wird unglaublich viel kommuniziert. Sei es während des Spiels oder nach dem Spiel als Reflektion. In den Gruppen-Battles muss  natürlich kollaboriert werden (z.B. mit Kommunikation über Head-Set). Einzig die Kritik wird wohl etwas ausgeblendet, wird aber bei Pay-to-win Fakes bei YouTube bei Jugendlichen doch recht schnell aktiviert.

Kleine Praktische Denkanstöße

Fortnite in der Schule? Natürlich nicht zum spielen, aber als Anregung gerne! Starten Sie doch einfach ihre Arbeitsphasen mit dem Hupton um die Motivation zu steigern (wird beim Start gespielt). Bauen Sie Schatzkisten ein (z.B. durch ein EDU-BreakOut) oder lassen Sie die Schüler doch mal selbst bestimmen, in welcher Sozialform sie Aufgaben bearbeiten wollen.

Zusammenfassung

Was Fortnite umsetzt sind genau die Forderungen nach einer zeitgemäßen Schule: Selbstbestimmung, Auswahlmöglichkeiten, eine gesunde Fehlerkultur, Möglichkeit zu individuellen Lösungswegen, direktes Feedback, Serendipity, Agilität, Förderung der 4K, und vieles mehr. Es sollte uns freuen, dass Kinder dieses Spiel so lieben, denn es zeigt uns, dass die Forderungen nach einer zeitgemäßen Schule Anklang bei Jugendlichen und Erwachsenen (ja auch diese spielen Fortnite) findet. Das alles umzusetzen ist mit Sicherheit nicht einfach und nicht sofort möglich, zeigt aber , dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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