Beim Barcamp in Bad Wildbad (#wildcampen18) wurde ein Workshop mit dem Beitragstitel angeboten. Es enstand eine fruchtbare Diskussion die ich hier etwas reflektieren und weiterdenken möchte.

Bei der Diskussion war die Grundfrage, welche alten Bildungsinhalte gestrichen werden können, da durch die digitale Transformation so viel neue Lerninhalte gefordert werden, sodass die Zeit irgendwo „eingespart“ werden muss. Als ich dazu stieß (sorry, kam leider etwas später) ging es gerade darum ob z.B. Latein noch Sinn macht. Ich konnte das bejahen, da mir Latein später beim Studium (Sport, Wirtschaft, Erziehungswissenschaften) immer wieder geholfen hat, Fremdwörter und Fachausdrücke besser einzuordnen und damit auch besser zu verstehen. Ich verstand im Gegensatz zu den DeutschlehrerInnen nicht ganz, ob Faust und Lessing unbedingt zum Pflichtkanon gehören müsse. So hat aktuellere Literatur einen Sprachstil, der leichter verständlich ist und damit den Inhalt viel besser transportieren kann. Als Beispiel wurde von mir Quality Land von Marc Uwe Kling angeführt. Die Deutschlehrerinnen kannten dies und setzen es auch im Unterricht ein. Faust und Lessing hätten aber zudem so eine Qualität, sodass sich das Durchdringen der Sprachbarriere lohne. Zudem sei der Inhalt aktueller denn je, was ich mir als nicht-Experte auf diesem Gebiet durchaus vorstellen kann.

Nach einem kritischen Diskurs über das Fach Wirtschaft in Bayern und der geplanten Einführung in Baden Württemberg wurde an diesem Beispiel das System Schule besprochen. So findet in Bayern mMn relativ wenig Verbraucherbildung und Erziehung zum mündigen Bürger statt. Auch in Baden-Württemberg besteht die Gefahr, dass aufgrund des Mangels an ausgebildeten Wirtschaftslehrern die Industrie viele Lehrpläne mitbestimmt und diese mit eigenen Unterrichtsmaterial ausstattet. Ob dabei der mündige Bürger als Ziel steht, wage ich zu bezweifeln.

In meinen Augen müssen gerade wirtschaftliche Sachverhalte in größeren Projekten und mit vielen Blickwinkeln behandelt werden. Es gibt viele Schattenseiten, die durch die Globalisierung und das „Outsourcen“  noch verdeckt werden. Dies gilt natürlich nicht nur für diesen Themenbereich, sondern für viele komplexe Probleme die uns mit der exponentiellen Entwicklung bevorstehen. Da ich Fächer ab der 5. Jahrgangsstufe nicht mehr für sinnvoll halte, ist für mich eine mindestens gleichmäßige Kurs-Workshop-AK-Projekt Aufteilung des Stundenplans nötig, in der der Schüler die Wahl hat, seine Interessen stärker einzubringen (Wie das genau aussehen kann, versuche ich wortungewandt in dem extra Blog Call of Pupil zu beantworten). Die Projekte sollten dabei einen tagesaktuellen Bezug haben und dabei möglichst ein Problem lösen oder ein Produkt hervorbringen.

Was das mit „alten“ Bildungsinhalten zu tun hat?

Eine Veränderung des Schulsystems hat logischerweise eine Änderung des Ablaufplans und auch Anpassung des Lehrplans zur Folge. Dieser sollte flexibel gestaltbar sein. Wenn also von den Lehrern Projekte geplant werden, müssen dort von den Schülern gewisse Kompetenzen und Fachwissen mitgebracht werden. Dieses müssen sie durch eine vorherige Prüfung zertifiziert haben. Ob sie für diese Prüfung vorher einen Kurs oder Workshop belegen, oder das von einem Freund beigebracht bekommen, spielt dabei keine Rolle. Und jetzt der Entscheidende Punkt: Bei der Erstellung von den Projekten werden zwangsweise die Bildungsinhalte rausfliegen, die für kein Projekt Relevanz haben!

Das ist erst mal ein krasser Schnitt, aber eigentlich ein logischer. Ein Bildungsinhalt, den ich für kein Ziel der Schule benötige, der wird offensichtlich nicht benötigt. Wenn ich z.B. Prozentrechnen in keinem relevanten Praxisbezug einsetzen muss, stellt sich mir die Frage, ob die jemand wissen muss. Brauch ich sie hingegen, da ich so in meinem informationstechnischen Projekt bessere/mehrere Lösungsmöglichkeiten bekomme, gibt es zu recht einen Kurs, in dem das beigebracht wird. So stellt sich in meinen Augen die Frage „welcher Bildungsinhalt muss raus“ nicht mehr, wenn dieser nicht mehr benötigt wird. Die Fragen muss also zuerst lauten: Welche Kompetenzen benötigen wir?

Ein kurzes aus dem Ärmel geschütteltes Beispiel dazu:

Kompetenz: Statistiken analysieren können

Voraussetzungen Fachlich: Prozentrechnen (Level 3)

Voraussetzungen Skills: Kritisches Denken (Level 2)

Mögliches Projekt: Statistikfehler in öffentlichen Medien finden

Dies ist natürlich erst mal oberflächlich, aber es soll das Prinzip klar werden. Um Level 3 in Prozentrechnen zu erreichen, muss der Schüler vorher natürlich die Prüfungen für Grundrechenarten und Prozentrechnung Level 1 bis 2 geschafft und am besten mit einem Projekt besiegelt haben. Somit stehen hier schon wesentliche fachliche Bildungsinhalte fest.

Natürlich ist eine so krasse Veränderung des Systems Schule wohl nur an Einzelschulen möglich. Aber man soll ja in Visionen denken und nicht in eingezäunten Bahnen. Wie ist deine Meinung dazu? Glaubst du, so ein System kann funktionieren?

 

 

 

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